Entstehung des Familiengartenareals "Winikerwiesen" in Uster

Chronik

ca. 1900

1948

1977

1988
 

Aufzeichnungen von Sigi Wigger, Präsident 1948 - 1977

 

Vorwort

Durch das Zurückgehen des Linthgletschers vor tausenden von Jahren ist unsere Gegend geformt worden. Das Gebiet um Uster hat der gewaltige Gletscher hierher verfrachtet. Un­ser Gartenareal ist eine typische Folge davon. Damals bildeten sich Ablagerungen von Kies und Sand. In nächster Nähe im Wald ist noch eine Sand­grube, die früher bedeutend grös­ser war, aber durch Ausbeutung, auch durch Gärt­ner, abgetragen wurde.
 

In der weiten Fläche zwischen Winikerhard und dem Buchholz liegt ein riesiges Grundwas­serbecken, das bis 3-4 m an die Erdoberfläche reicht. Das Gartenareal selber liegt in einer Senke, nur 1-2 m über dem Wasserspiegel. Im Westen, gegen das Werrikerried durch eine Moränensperre abgeriegelt, bildete sich früher sogar ein Sumpfgebiet mit Niedrigwasser. Viele Wasservögel bauten hier ihre Hütten, resp. Nester, fanden ihr Futter und erfreuten sich eines herrlich ruhigen Lebens.
 

Wie mag wohl die Landschaft hier noch vor tausend Jahren ausgesehen haben? Wenn man aus neuerer Zeit von Herrn Vögeli, der 1911 den Hof "Guetschüür" ge­kauft hatte, erfährt, dass damals noch Schilf bis an die Winikerstrasse gewachsen war, ist das doch kaum zu glauben. Der erhöhte Flurweg durch unser Areal ist auch eine Folge vom nassen Gelände. Alte Winikerbauern wussten zu berichten, dass noch um 1850 die Bauern Sand holten und am Platz wo jetzt der Materialschopf steht, diesen in einem Gunten Wasser wu­schen. Der Sand war lehmhaltig, darum hatte er die Baderei nötig, um baureif zu werden. In nassen Sommern (gab es schon damals) konnte man nicht mit einem Wagen ins Ried fah­ren, ohne zu versinken. Dieses ergab auch keine Streu. Deshalb führten einige ihre Acker­steine und den Bauschutt ins Ried hinein, um es wenigstens so zu nutzen. Dieser Sumpf, oder wie es richtig heisst; Winikerwiesen, war früher der direkte Was­serlieferant für den nahe gelegenen Weiler Winikon. 1880-1890 wurde die alte Wasserleitung, die noch aus sogenannten Holz­dünkel (das waren ausgebohrte Baumstämme) bestand, er­setzt. Die Wasserfassung ist immer noch zu sehen, im Areal, rechts vom Hauptein­gang, bei dem grossen Ha­selstrauch. 1943 als der Schreibende die 18 Aren Ried von Herrn Schmid über­nahm, war der Wasser­stand noch ziemlich hoch, knapp ei­nen Meter unter der Erd­oberfläche. Heute pumpt die Stadt aus die­sem Gebiet jede Nacht 2'500'000 Liter Wasser in das Reservoir Bütze hinauf. Unser Stück Erde liefert also Gemüse, Blumen und Wasser für einen grossen Teil der Be­völkerung.
 

Herr Schmid, Winikon, auch ein alter Bauer, erzählte mir, dass der grosse Brunnen in Wini­kon Tag und Nacht Wasser brachte, das vom Ried kam. 1911 wurden im Mühleholz die er­sten Pumpen eingebaut und als 1922 grössere Pumpen installiert wurden, versiegte der Brunnen in Winikon bei trockenem Wetter und das Wasser musste von nun an von der Ge­meinde bezogen werden. Später schenkte die Stadt Uster ei­nen neuen Brunnen, der eine schmucke Zierde des freundlichen Weilers ist. Noch eine historische, aber in Verges­senheit geratene Strasse liegt unter unseren Gärten. Vorne beim Parkplatz, Richtung Wald­ecke/Scheibenstandanfang war vor vielen hundert Jahren der alte Zürcherweg der Pfäffiker. (Wollten darum die Pfäffiker unbedingt hier den Anschluss an die Autobahn!). Sicher haben den Weg, der in einer kleinen Kartenskizze von 1850 der Ge­meinde Uster eingezeichnet ist, in der französischen Zeit Soldaten der russischen und öster­reichischen Heere benutzt. Von den rückwärtigen Linien, die in unserer Gegend la­gen, war es nicht mehr weit an die Front östlich von Zürich.
 

Während des Krieges 1939 - 1945 gab es auch hier Pflanzplätze um die Schweiz durch­halten zu können. In der Linie der besagten Strasse kamen besonders hüb­sche, grosse Steine zum Vorschein. Der alte Zürcherweg war eben beim Volk unbekannt. Erst 1950 wurde bei der Güter­zusammenlegung das uralte Wegerecht abgelöst.
 

Westlich von unserem Gartenareal, gegen das Werrikerried liegt die schon er­wähnte Mo­ränensperre, welche den Abfluss von Wasser bei ergiebigem Regenwet­ter ver­hinderte, sodass sich neben dem Sumpf noch ein kleiner See bildete. So erzählt un­ser Initiant des Püntenlandes, Herr Willi Wildermuth, der in Winikon auf­gewachsen ist; das war so um 1900. Als Buben hätten sie Flosse gebaut und sind damit im "Meer" herumgefahren, haben Frösche gefangen und alles Mögliche und Unmögliche getan. Durch die tiefste Senke lief ein Bächlein, so war die Natur damals.
 

Im Jahre 1941 - 42 wurde die Melioration durchgeführt, die westliche Moräne durchbrochen und viele Röhren verlegt. Der Sumpf war besiegt, aber es war noch kein Kulturboden ge­wonnen, zum Teil war überhaupt keine Erde da. Die Kultivierung begann mit der Anbau­schlacht, die von Traugott Wahlen während des Krieges geführt wurde. Die Industrie musste mit ihren Belegschaften einige Hektaren Land bebauen. Das war meistens Neuland, auch ich habe viele Stunden mitgearbeitet in dieser Pflanzaktion. In unserem Ried schlug der Versuch leider fehl, trotz schwerem Trak­tor und neuem Pflug. Entweder blieb dieser im Lehm stec­ken oder die Steine warfen ihn wieder hinaus. Auf einem kleinen Stück wurde Hafer angesät, aber nie geerntet. Die Industrie gab auf!
 

Im Frühling kamen dann die ersten Siedler (Pünteler), Willi Wildermuth, Karl Giger, Stich und ein Unbekannter. Sie mieteten von Hans Morf, Winikon, das Stück Land privat. Bei einem damaligen Spaziergang durch die Gegend im Juni, stiess ich auf diese Neusiedler beim Ur­barisieren. Ein Jahr vorher musste ich noch im Aus­tausch der Industrie für Hans Morf auf diesem Gelände Roggen mähen, voll von Winden und Chluren, ich ging fast drauf. Nun in­teressierte ich mich gewaltig, um als selb­ständiger Anbauer mitzumachen und Willi Wildermuth zeigte mit Vergnügen die freie Parzelle von Herrn Schmid, Winikon. Ich schloss mit Bauer Schmid einen Ver­trag auf zehn Jahre. Ich erhielt das Land gratis. Das Land war zu urbarisieren, die Steine hinten zu deponieren. Das Stück war auch 18 Aren gross, wie alle anderen. Das war aber für mich allein zuviel. Ernst Kluser war bereit mitzuhelfen und der Kampf mit den Steinen, Ziegeln und weiss nicht was alles ging los. Mit Pickel schu­fen wir an einem Samstagnachmittag 10 - 15 m2. Die Kinder mussten die Steine an die Haufen tragen, genau gleich ging es Giger und Wildermuth. 1 - 2 Aren wur­den voll Schutt, meist Ziegel, dort wuchsen nun mannshohe Nesseln. An diesem beson­deren Ort deponierten wir unsere Werkzeuge, jedesmal, wenn wir ankamen, spran­gen ein bis zwei Rehe daraus und die Werkzeugstiele waren voll von Schnecken, dadurch gab es dann auch weniger Schwielen. Kluser und ich säten zuerst Raps an, um das knappe Oel im Haushalt aufzufül­len. Das war ein erster grosser Erfolg.
 

Nun machte die Gemeinde den Winikerbauern den Vorschlag, für das ganze Ried eine Güterzusammenlegung durchzuführen. Die Bauern wurden nicht einig, keiner wollte die krumme Strasse, die heute noch durch das Areal führt, in seinem Stück. Herr Willi Wilder­muth, damals im kleinen Gemeinderat, (heute Stadtrat) war Vize­präsident des Dor­fes Uster.
 

Der Präsident selber, Herr Dr. Stadler, hatte als Oberst der Ostschweizer Territorial­truppen dienstlich so viel zu tun, dass der Vize und Sozialdemokrat den Laden schmiss. W. Wilder­muth, ein Freund der Armen, benützte rasch die Unstimmigkeit der Bauern, um das Land durch die Gemeinde aufzukaufen, um endlich Familien­gärten gründen zu können. Die Hälfte vom Areal wurde vor dem Neujahr 1946, der Rest nach diesem Datum erworben. So musste der Kredit nicht vor das Volk, wo er wohl abgelehnt worden wäre, denn der Bo­den wurde den Bauern gut bezahlt. Damit sei auch festgehalten, dass Willi Wildermuth der Va­ter des Gedankens und somit der Pünten ist, nicht wie es in der nächsten Wahlpropa­ganda hiess, es sei der neue bürgerliche Gemeindepräsident. Leider war mein Vertrag, das Land gratis zu nutzen, damit zu Ende.
 

Dafür wurden unsere Steine in die neu angelegten Feldwege, nach Ost und West verlau­fend, abgeführt. Das Quantum dieser Naturprodukte kann man daran ermes­sen, dass Hans Morf sogar Rollwagengeleise gelegt hatte, um die Steine in die Wege zu führen. Im gleichen Winter hat er den Hügel von der Eiche beim Material­schopf bis zu den Fahnen­stangen abgetragen und damit das Niemandsland, wo es keine Erde gab, aufgefüllt. Einzig die Land­zunge, die in den Wald hineinreichte, ge­hörte Bauer Spörri in der Halde. Dieser verkaufte nicht, die Gemeinde tauschte es aber gegen das längs des östlichen Areals lie­genden Lan­des.
 

Anno 1947 wurde das Püntenland ausgeschrieben. Im gleichen Winter wurde be­reits der Materialschopf und die Wasserleitung erstellt. Wohlverstanden, das war noch kein Verein, der dies veranlasst hätte, das war das Werk von Willi Wildermuth, mit Unterstützung der SP-Gemeinderäte Messikommer Robert und Stark Karl. Der Materialschopf kostete Fr. 10'000.--, die Wasserleitungen zirka Fr. 8'000.-- und das Land kam auf Fr. 35'000.-- bis Fr. 40'000.-- zu stehen. Im März 1947 wurden von der Gemeindebehörde die Pünten eingeteilt, einige davon in etwas grössere Stücke. Kluser und Wigger zum Beispiel erhielten 12 Aren; als aber später die Nachfrage stieg und immer mehr Gärtner kamen, musste man Garten abtreten.
 

Gründung

Von dem kleinen Gemeinderat wurde der erste Püntenvorstand bestimmt, die Grün­dungs­versammlung fand am Montag, den 22. März 1948 im alkoholfreien Restaurant Wildermuth statt. Karl Stark war der Leiter dieser historischen Versammlung. Der erste Vorstand setzte sich aus folgenden Herren zusammen: Paul Welti, (Gemeindehausangestellter) als Aktuar; Kaiser Gian, Beisitzer; Kluser Ernst, Kassier und Wigger Sigfried als Präsident. Es war nicht leicht, mit leerer Kasse zu starten, doch W. Wildermuth legte mit Fr. 20.-- den verdan­kens­werten Grundstein. Das also war im Jahre 1948!

Der Verein war wohl gegründet, aber das Land nicht kultiviert. Es machten sich 30 Pünteler an die Arbeit um auf dem Neuland zu rumoren, zu hegen und zu pflegen. Einige harrten aus, andere verzogen sich nach einem Jahr wieder, aber es wurde gegrübelt noch und noch. Ein­zig in der Landschneise im Wald war Kulturland. Aber das Wild war auch da und setzte dem Gemüse arg zu. Damals gab es noch Rudel von 10 - 15 Rehen. Hinten in der Waldecke hatte ein Stähli Dölf eine Himbeerplan­tage aufgezogen, aber die Rehe frassen ihm immer die jungen Triebe ab.
 

Noch eine kleine Reminiszenz. Herr Wildhüter Bosshard aus Werrikon war trotz den Re­kla­mationen wegen der Gemüsefresserei, unserem Verein wohlgesinnt. Herr Bosshard rang der Jagdgesellschaft "Hard" einen schönen Brocken Rehfleisch ab, brachte diesen Willi Wildermuth, der in seiner Küche einen schmackhaften Reh­pfeffer daraus machte, den wir dann an der Generalversammlung frank und frei mit Genuss verzehrten. Leider blieb es wohl für die meisten der ein­zige Frei-Pfeffer.
 

Ich habe seit 1943 auf diesem Land gegärtnert, aber nur einmal Mist gekauft. Im unteren Teil musste einfach fruchtbarer Humus herbeigeführt werden. Alle Garten- und Küchenabfälle mussten optimal verwertet werden. Die ersten Jahre konnte man die Kartoffeln kaum es­sen, sie hatten immer einen Moosgeschmack. Das alles än­derte sich mit den Jahren, das Bear­beiten des Bodens zeigte die ersten Früchte und Freuden.
 

Es kam der Aufschwung der Industrie, die Gemeinden wuchsen schnell an, in der Nähe wur­den grosse Blocksiedlungen gebaut und immer mehr Familien sehnten sich nach einem Garten in gesunder Luft. Die Nachfrage wurde dann so gross, dass in zwei Etappen das gekaufte Land für die Neugärtner bereit gemacht wurde. Die Stücke pflügten einige Jahre die Bauern, so war es nicht mehr so schlimm, wie bei uns Pionieren. Durch Erstellen der schmuc­ken Häuschen zeigte sich der ehemalige Sumpf immer wohnlicher. In Fronarbeit wurde der grosse Zaun um das Areal erstellt, um das Gross- und Kleinwild abzu­halten. Dies geschah unter der Leitung von Herrn Buser, der mich als Präsident ab­gelöst hatte. Beim Materialschopf war noch die tiefe Unebenheit, ehemalige Sand­wäsche, diese hat man mit Aushubmaterial aufgefüllt. Die Linde auf dem Vorplatz spendete spontan Karl Stark und Karl Giger hat sie hübsch einge­pflanzt. Der vortrefflich gelungene, sogenannte Spitz hatte Werner Schürch gebaut. Er wurde jahrelang von den Frauen Anna Liniger und Rosmarie Spörri angepflanzt und sorgsam gepflegt.
 

1955 rauschte ein kantonales Schützenfest über die Bühne, der Scheibenstand musste ver­grössert werden. Zudem musste Wald geschlagen werden. Als Er­satz wurde hinten im Pün­tenland wieder neu aufgeforstet. Der Parkplatz wurde unter Präsident Buser gebaut, die Ahorne setzten und beglichen Hektor Indermühle und Sigfried Wigger. Die er­sten Gar­ten­häuschen wurden um 1948 - 1950 aus Auto­kisten, durch Gian Kaiser gebaut, denn da­mals kamen die Autos aus Uebersee in Kisten nach Europa.
 

Mit der gemeinsamen Arbeit stieg auch der gemeinsame Sinn und das Verlangen nach ge­zeigter Zusammengehörigkeit. Die erste Fahne, es war die grösste Schwei­zerfahne in Uster, wurde gespendet von Vereinskollegen auswärts. Vorab Rud. Villing, Hans Schäppi und Hans Maag. Im Garten gedieh auch die Gemütlichkeit und so begannen auch gemein­same Feste.
 

Es war schon lange mein Wunsch ein eigenes Klublokal zu bauen, aber wie, wo und mit was. Dazu gab es zum Vornherein einige Gegner. Aber Fritz Held kam mir als guter Zim­mermann zu Hilfe. Er spielte den Architekten und ich holte die Bewilligung beim Liegen­schaftenverwalter Herrn Pfister Heinrich. Dieser deklarierte: Die Stadt habe nichts dagegen, zahle aber auch nichts. Nur der Zement wurde vom Bauamt gratis geliefert.
 

Nun wurde wieder die grosse Frondienst-Trommel gerührt, keiner kneifte, mit gutem Willen machten alle mehr oder weniger mit. Es begann mit dem Kelleraushub und es wurde wie wild beto­niert. Später stellte sich heraus, dass der Keller gut ein grösseres Volu­men vertragen hätte. Ne­benbei wurden auch 20 Betonpfähle der Umfassung, mit dem Stadtzement in den Senkel gestellt.
 

Von der Firma Lenzlinger hatten Fritz Held und ich an einem eisigkalten Wintertag recht­zeitig Holz geholt, um das Düngermagazin zu ersetzen und dann ging's los an den Stüblibau! Schlimm war, man konnte Fritz nicht einmal ein Bier aus der Kasse offerieren. Viele weitere Helfer halfen mit, das schöne Werk zu gestalten. Natürlich gaben faule Sprüche, ein guter Schluck und gesunder Humor, eine positive Stimu­lans. Und der Präsident war selbstverständlich immer schuld, wenn die Pläne nicht stimmten. Fritz Held baute noch eine schöne Türe ein und das Werk war im Rohbau fertig.

Das Inventar machte noch Sorge. Aber mit gutem Beispiel voran, spendete Familie Dürst ihren schönen Stubentisch, samt Stühlen. Jassteppiche und Jasswerkzeuge spendete un­genannt, aber die schmucke Wanduhr, deren Zeit viel zu schnell vergeht, kam von Familie Theilkäs. Bodenteppiche wurden von Volketswil geliefert, die Lampen bastelte ich und das Chromstahlbecken schenkte mein Schwiegersohn. Held Fritz besorgte einen Ofen, dieser wurde dann durch meinen Stubenofen ersetzt und er spendet mir nun ein zweitesmal Wärme im Stübli. Nun sind schon so viele und schöne Sachen da, dass es schwer fällt, alle Spenden zu nennen und zu verdanken.
 

Der Name "Püntenstübli" wurde kreiert und Willi Sonderegger offerierte sofort das entsprechende Schild. Paul Blaser machte den ersten Geranten, damit der Betrieb auch anlaufen konnte. Später entpuppte sich dann das Ehepaar Dürst als die geeig­neten Betriebsleiter. Wir bleiben manchmal mit Freude gerne zu lange bei ihnen, Heinrich weiss aber, wie man diskret zum Feierabend läutet. Die "Aufrichte" verlief in Feststimmung und alle werden den fröhlichen Abend nicht mehr vergessen. Im Frühling war noch der Wasseranschluss und -ablauf einzubauen. Franz Sailer besorgte diese Installationen ohne Entgelt.
 

Im 30. Vereinsjahr wurde noch der letzte Schliff im Stübli angebracht. Oskar Patscheider spendete die Schwarten für die Restwand und Fritz Held baute noch zwei elegante Gläser­kästchen. Der neue Vorstand, mit Ueli Theilkäs immer voran, legte sich kräftig in die Rie­men. Den Schopf strich Fridolin Büsser allein, gemeinsam konnten Platten gekauft und ver­legt werden. Eine schöne, lange Granitmauer ist er­stellt und mit Grün bepflanzt worden.
 

Alle diese gemeinsam erbauten Dinge machen das als "Vereinslokal" gedachte, zu dem be­rühmten "Beizli", das Herzenswärme, Zusammengehörigkeit und gemütliche Geborgen­heit ausstrahlt. Zusammen mit der Linde, den Blumen, der neuen Winikerfahne ist das der herrlichste Flecken Erde, wo Gartennachbarlichkeit aufs Beste blühen kann. Schade für diejenigen, die Geselligkeit im Garten nicht so geniessen können.
 

Die Zeit ging mit uns, die Gärten sahen immer gepflegter aus und aus den einfachen Häus­chen wurden wahre Wochenendvillen, was leider bei gewissen Beamten(-in­nen) etwas An­stoss erregte. Als sogar Keller eingebaut wurden, ging diese Kunde bis zum Stadtrat. Aber Herr Flach zeigt auch hier nur Verständnis.
 

Das Gartenvölklein war inzwischen auf etwa 120 Familien angewachsen.
 

Ja, Probleme gab es wie überall auch in unserem Verein. Da waren z.B. die Katzen, so lieb sie sind, sie zerstörten doch einige Freundschaften. Nachdem wegen der Tollwutbekämp­fung keine Füchse mehr da waren, wurden die Eichhörnchen, Hasen und vorab die Mäuse zur richtigen Plage. Deshalb waren einige Katzen nützlich, aber es wurden deren zuviele.
 

Eines Tages 1975 war auch die geplante Autobahn 75 m vor unserer Nase ausge­steckt. Das gab natürlich viel zu reden und zu schreiben. Uns würde die direkte Zu­fahrt abge­schnitten und mit der gesunden Luft, sowie der ruhigen Erholung ist es auch aus. An der nächsten GV war dies auch das Hauptthema und eine Eingabe an die Gemeinde wurde be­schlossen. Darin wird eine gute Verbindung während des Baues und nachher gefordert, ebenfalls nützliche Emissionen zum Schutz gegen Staub und Lärm. Allgemein wird die Hoff­nung ausgedrückt, dass uns und den Wini­kerbauern die Landschaft noch lange so erhalten bleibt.
 

Diese Feste und das Püntenstübli haben schon viele schöne Freundschaften ge­schmiedet. Doch an der 29. Generalversammlung habe ich meinen letzten Rücktritt geben können. Ich freue mich nun, dass ich noch ehrenhalber mitmachen kann, je­doch unbelastet die näch­sten Jährchen im vertrauten Garten geniessen kann. Be­sonders freut mich, einen würdigen Nachfolger in Ueli Theilkäs gefunden zu haben, der das Vereinsschiffchen mit Elan weiter steuern wird.
 

Das Werk das wir begonnen; Wildermuth, Giger, Stich, Kluser und Wigger, haben Dut­zende von Gärtnern in den 30 Jahren zu einem blühenden Erholungsraum ge­staltet. Vielen Dank gehört nicht nur meinen Mitarbeitern, sondern all denen, die in den Winikerwiesen versucht haben, etwas Schönes zu formen, sei es mit dem fruchtbaren Garten, dem schmucken Häuschen oder der hilfreichen Kameradschaft.
 

Sigi Wigger

 

Weitere Aufzeichnungn von Ulrich Teilkäs Präsident 1977- 1988

1977

Im Juni starteten wir das erste Gartenfest in etwas grösserem Rahmen unter freiem Himmel. Mitwirkende waren die Stadtjodler Uster, Alphornbläser und ein Handharmoni­ka­spieler. Die defekte, alte Schweizerfahne, eine Schenkung der Fastnachtsgesellschaft Hu­moria, musste ersetzt werden. Anlässlich vom Fest wurde die neue Fahne eingeweiht und aufgezogen. Der Regen brachte uns auf die Idee, für das nächste Fest ein Zelt zu bauen.
 

1978

Der Zaun (150 m) entlang dem Waldrand wurde in Fronarbeit ersetzt. Das Material wurde von der Liegenschaftenverwaltung gestellt. Die dritte Fahnenstange (Vereinsfahne) für das Fahnendreieck wurde bereitgestellt. Der Sitzplatz vor dem Stübli wurde mit Platten belegt und die Mauer längs vom Spitz erstellt. Im Juni veranstalteten wir ein Jubiläumsgar­tenfest (30 Jahre Püntenpächterverein Winikerwiesen) und zugleich Tag der offenen Türe, leider bei schlechtem Wetter. Wir luden folgende befreundete Püntenvereine ein: Oberriet, Pfäffi­kon, Wetzikon und Dübendorf, die unserer Einladung gerne Folge leisteten. Zu unse­rem Jubi­läum spendete die Stadt Uster Fr. 500.--. Mit diesem Geld schafften wir uns eine Winterla­trine und einen Werkzeugkasten an.
 

1979

Im April beschäftigte uns die Eingabe für einen Schutzwall längs der Autobahn, wurde dann aber wegen fehlenden genauen Plänen verschoben. Ende September beteiligte sich unser Verein mit vielen anderen Ustermer-Vereinen am Sonnenblumenfest. Wir verkauften an ei­nem Stand bei der Post diverse Blumensträusse aus den Gärten von Winikerwiesen. Hinter dem Stadthof betrieben wir einen Spielstand. Das Fest war ein voller Erfolg. Der Reinerlös von Fr. 1'000.-- wurde in den Gartenfestfonds gelegt. Die Glas- und Metalldepo­nie musste wegen zu grossem Umtrieb abgeschafft werden. Die Mulde und die Feuerstelle wurden bei­behalten. Als neuer Patentgeber für das Püntenstübli stellte sich Herr Huwyler vom Restau­rant Eintracht zur Verfügung.
 

1980

Im Frühling und im Herbst besuchten wir mit dem Car die schweizerische Gartenausstellung "Grün 80" in Basel. Die Ausstellung war ein schöner Erfolg und liess manches Gärtnerherz höher schlagen. Wir schafften einen Häcksler an (freiwillige Spende eines Püntenpächters von Fr. 1'000.--), und von der Stadt Uster erhielten wir noch Fr. 800.--.
 

1981

Die letzte Bauetappe in der Stüblisanierung konnte mit der WC-Sanierung abgeschlossen werden. Die alte Zufahrt zum Püntenareal wurde durch die Autobahn abgeschnitten. Die neue Zufahrt führt nun über die Schützenstrasse. Unter der Autobahn wurden noch zwei Rohre verlegt für das Wasser ins Areal und eventuell für den elektrischen Strom.
 

1983

Im Juni 1983 wurde Willi Wildermuth, der Mitbegründer des Püntenareals, zu Grabe getra­gen. Allen Gründern zu Ehren wurde am Findling beim Spitz eine Gedenktafel angebracht.
 

An zwei Samstagen wurde hart gearbeitet, um die Wasserleitung für das Stübli in einen 1,2 m tiefen und zirka 120 m langen Graben wintersicher zu verlegen. Analog wurde ein Ein­zugsrohr für ein Elektrokabel gelegt.
 

Mit dem Car besuchten wir die Landesgartenschau in Lörrach. Die Feuerwehr schenkte uns das alte Feuerwehrhäuschen von Oberuster. Im Frondienst wurde das Häuschen transpor­tiert und hinter dem Püntenschopf aufgestellt, wobei es für Rasenmäher, Häcksler, Benzin- und Oelvorrat als Einstellplatz dient. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde auch die Baracke als Stüblimagazin aufgestellt. Ein Gartenschach wurde angelegt und für die Kinder eine Schau­kel aufgestellt.
 

1986

Bereits anfangs August liefen die Vorbereitungen für das Gartenfest am 23./24. August auf Hochtouren.

Im September besuchten wir die Landesgartenschau in Freiburg im Breisgau. Im "Internationalen Jahr der Umwelt" wurden alle Püntenpächter aufgefordert, einen Kompost anzulegen und zu pflegen. Von unserem Areal erstellten wir einen Zonenplan und nume­rierten die Gartenhäuschen neu.
 

1987

An drei Besprechungen mit der Liegenschaftenverwaltung wurde die Neuordnung des Pün­tenwesens festgelegt, die ab 1. Januar 1988 gültig ist.

Der Pachtzins wird pro Are von Fr. 8.-- auf Fr. 30.-- erhöht. Der Wasserzins wird nun sepa­rat verrechnet und direkt dem Verein belastet. Die Pachtverträge werden neu vom Vorstand erstellt. Die Entsorgung der Mulde und das Betreiben der Feuerstelle geht neu zu Lasten des Vereins.

Am Anfang war die Vereinsmitgliedschaft freiwillig, was unter den Pächtern immer wieder zu Uneinigkeiten führte. Später wurde die Mitgliedschaft obligatorisch. Im Zusammenhang mit der Eigenverwaltung, erstellten wir im Januar 1988 eine neue Garten- und Bauordnung. Die Statuten wurden ebenfalls angepasst.
 

In Vorbereitung für das Jubiläums-Gartenfest "40 Jahre Püntenverein Winikerwiesen" wurde das Fahnendreieck aus Holzstangen erstellt und eine Vereinsfahne kreiert. Es wur­den auch T-Shirts mit dem Marienkäfer in Auftrag gegeben.
 

Am 27. August 1988 war es dann soweit. Das Fest eröffnete das Duo Rüegg. Frau M. Pfund betreute den Flohmarkt. Es waren verschiedene Gäste eingeladen. Unter anderem waren Stadtrat Heiner Walde mit Gattin und Heinrich Bachmann, Lokalredaktor des "Anzeiger von Uster" anwesend.

Zum Jubiläum wurden unserem Verein zwei Fahnen geschenkt. Die Quartierfahne (Winikon) überreichte uns Herr Stadtrat Heiner Walde im Namen der Liegenschaftenver­waltung. Die Präsidenten der beiden Püntenvereine Mühleholz und Oberriet übergaben uns die Vereins­fahne mit dem Marienkäfer.

Am Sonntagmorgen konnte man sich an einem reichhaltigen Zmorgebuffet gütlich tun. Es war in allen Teilen ein gelungenes Jubiläumsfest, sogar das Wetter spielte mit.
 

Nach 11 Jahren Präsident trat ich an der 40. Generalversammlung von meinem Amt zurück. Ich wünsche dem Verein alles Gute.

 

Ulrich Theilkäs


 

Aufzeichnungen von Peter Maurer, Präsident 1993 - 2010

1989 - 1998

1989 übergab nach 16-jähriger Vorstandstätigkeit Ueli Theilkäs das Präsidium an Werner Pfund. Ihm oblag nun die undankbare Aufgabe die von den Behörden erlas­senen neuen Vorschriften durchzusetzen. Nicht der Bauordnung entsprechende Häuschen müssen nun bei Pächterwechsel angepasst oder abge­brochen werden. An der Generalversammlung vom 20. Januar 1990 wurde ein auch für die übrigen Pünten­vereine wegweisender Antrag in die Statuten aufgenommen; bei Pächterwechsel darf für ein neues Gartenhaus maximal Fr. 4'000.-- verlangt werden. Bei Uneinigkeit zwischen altem und neuem Pächter legt der Vor­stand den Preis fest. Dank diesem Passus sind die Gärten auch wieder für junge Fami­lien erschwinglich. Das neue Sy­stem hat sich bereits gut eingespielt.
 

1991 und 1992 wurde ein Teil des Zauns im Frondienst erneuert. Auf die Generalver­samm­lung vom 29. Januar 1993 reichte Werner Pfund den Rücktritt aus dem Vorstand ein. Da kein Nach­folger gefunden werden konnte, übernahm ich (Peter Maurer) bisher Vize­präsident, wohl oder übel das Amt. Leider gaben Margrit und Werner Pfund gleichzeitig die Stüblilei­tung ab. Als neue Wirtin, mit entsprechendem Patent, stellte sich erfreulicherweise Frau Beatrice Kasparek zur Verfügung.
 

Im Juni 1995 wurden die Präsidenten der Ustermer Püntenvereine ins Stadthaus geladen. Die Finanzchefin, Frau E. Surbeck erklärte uns, dass die Stadtverwaltung im Zuge der Me­lioration eine Erhöhung des Pachtzinses von bisher Fr. 30.-- pro Are auf neu Fr. 150.-- pro Are verlangen wolle. Gegen diesen massiven Aufschlag, mitten in der Rezession, wehrten wir uns. Wir haben viele Arbeitslose und Frühpensionierte, denen ein solcher Aufschlag zu schaffen macht. Es konnte folgender Kompromiss ausgehandelt werden; ab 1996 Fr. 60.-- pro Are, ab 1999 Fr. 80.-- pro Are und ab 2002 bis mindestens 2007 Fr. 100.-- pro Are.
 

In den Jahren 1995 und 1997 wurde der Parkplatz im Frondienst saniert. Die Fahnenmasten und Fahnen mussten ersetzt werden. Die Witterung hat ihre Spuren hinterlassen. Leider mussten infolge Unbelehrbarkeit einiger Pächter folgende Dienstleistungen des Ver­eins eingestellt werden: Feuerstelle, Abfallmulde und nun auch noch der Shredderplatz.
 

Das bisher letzte Gartenfest mit Festzelt fand im Jahre 1992 statt. Seither wird jähr­lich unter der Stüblileitung anfangs August ein Grillplausch im Freien durchgeführt. Dass das eher improvisierte gemütli­che Zusammensitzen mit Musikanten aus dem Verein eher ankommt, beweisen die jeweils bis zu 100 Gäste.
 

Für die nächsten 50 Jahre wünsche ich den Gartenfreunden Erholung vom Alltag und viele gesellige Stunden in unserem Areal. Ich hoffe, dass diese Oase der Ruhe für die nächsten Generationen so erhalten bleibt und nicht zum Freizeitpark verkommt.

 

Peter Maurer